Eine Regel, zwei Spiele, viele Fragen

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Sportfreunde Bitz (am Ball Dustin Paul Gutzmann) kämpfen in der Kreisliga A2 um Punkte.

Mit dem Format „So gesehen“ blicken unsere Redakteure ganz ungezwungen und mit klugem Blick auf Themen rund um den Lokalsport. Humorvoll, kritisch, analytisch oder einfach beschreibend – wir wollen Themen darstellen, die nicht im geregelten und  wöchentlichen Rhythmus Platz finden und einen eigenen Platz bekommen. 

Diesen Text hat unser Redakteur Matthias verfasst – mehr zu ihm findet ihr am Ende des Artikels und jetzt viel Spaß beim lesen!

Manchmal liest man einen Zeitungsartikel und hat danach mehr Fragen als vorher. Was genau ist da eigentlich passiert? Beim Kreisliga-A2-Duell im Bezirk Schwarzwald/Zollern zwischen dem 1. FC Burladingen und den Sportfreunden Bitz war das so. Da lohnte es sich genau nachzufragen – und zwar bei den Leuten, die am ersten Spieltag diese kuriose Geschichte live miterlebten.

Blicken wir zurück auf den 16. August 2026, den ersten Spieltag der Kreisliga A2 im Bezirk Schwarzwald/Zollern. Der 1. FC Burladingen empfing die Sportfreunde Bitz im Tiefental-Stadion. Bereits in der 15. Minute mussten die Burladinger einen Rückschlag verkraften – ihr Keeper sah wegen einer Notbremse die Rote Karte. Trotzdem gingen sie durch Kevin Haiber in der 25. Minute in Führung, Denis Mehov erhöhte kurz vor der Pause per Elfmeter auf 2:0. Was dann kam, war eine klassische Aufholjagd der Sportfreunde Bitz: Stefan Fischer verkürzte nach der Halbzeit, Sergej Remche glich aus – und dann kam die Szene, die alles ins Rollen brachte.

Die entscheidende Minute

Ein Spieler des 1. FC Burladingen lag am Boden. Nach der neuen Regel der Saison 2026/27 muss ein verletzter Spieler, wenn das Spiel seinetwegen unterbrochen wird, mindestens eine Minute außerhalb des Feldes warten – bevor der Schiedsrichter ihm den Wiedereintritt erlaubt. Die Minute lief ab, der Spieler wollte zurück. Der Schiedsrichter aber wartete auf die nächste Spielunterbrechung und ließ den Akteur bis dahin nicht aufs Feld.

Die Fehlastädter spielten in dieser Phase mit neun Spielern: einer hatte die Rote Karte gesehen, der andere wartete am Spielfeldrand. Die Sportfreunde Bitz griffen an und erzielten durch Sergej Remche den Ausgleich. Die Unterbrechung, auf die der Schiedsrichter gewartet hatte, kam – aber durch das 2:2. Erst jetzt durfte der Burladinger Spieler zurückkehren. Jannik Vujacic traf später noch zum 3:2 für die Gäste, die nach dem Auftaktsieg zufrieden nach Bitz fuhren.

Der 1. FC Burladingen legte Einspruch ein. Denn sie wollten einen Regelverstoß des Schiedsrichters erkannt haben. Der Unparteiische bestätigte nach zweimaliger Befragung, so war es der Lokalpresse zu entnehmen, seinen Fehler, das Sportgericht urteilte: Wiederholungsspiel.

Die Unterbrechung, auf die der Schiedsrichter gewartet hatte, kam – aber durch das 2:2

Der Funktionär, der reden musste

Der Bezirksspielleiter meldete sich daraufhin öffentlich zu Wort und sagte gegenüber den Zeitungen, er gehe nicht davon aus, dass der Einspruch der Sportfreunde Bitz gegen das Wiederholungsurteil noch Erfolg haben werde – obwohl das Verfahren noch lief. Ein Funktionär, der das Ergebnis eines noch nicht abgeschlossenen Verfahrens öffentlich kommentiert – ungewöhnlich. Die Sportfreunde sahen die Situation etwas anders; ein früherer Eintritt des Spielers war aus ihrer Warte aufgrund ihres laufenden Angriffs gar nicht möglich. Denn Bitz hätten die drei Punkte gerne behalten – das sagten sie nur eben nicht öffentlich. Vielleicht auch, weil sie niemand gefragt hatte.

Die Trainer beider Teams schwiegen. Kein Kommentar, kein Seitenhieb, kein Statement. Man könnte sagen, sie zeigten mehr Medienkompetenz als mancher Funktionär.

Eine andere Regel in der Presse

Und dann passierte noch etwas. Im Bericht über das Sportgerichtsurteil erklärte der Bezirksspielleiter den Vorfall mit der neuen Zehn-Sekunden-Regel bei Auswechslungen – also jener Regel, die greift, wenn ein auszuwechselnder Spieler das Feld nicht rechtzeitig verlässt. Diese Regel ist korrekt beschrieben. Sie passt nur nicht zu dem, was beim Spiel zwischen dem 1. FC Burladingen und den Sportfreunden Bitz tatsächlich passiert ist. Es war keine Auswechslung. Es war eine Verletzung. Zwei verschiedene Regeln, zwei verschiedene Konsequenzen. Weitere Medien übernahmen diese Einordnung.

Ob der Bezirksfunktionär den Vorgang falsch zugeordnet hat, ob er missverstanden wurde oder die Verwechslung an anderer Stelle entstand – das bleibt offen. Fest steht: Wer die Beteiligten fragt, erfährt eine andere Geschichte. Und fest steht auch, dass von den Amateurschiedsrichtern immer mehr abverlangt wird. Das Regelwerk ist inzwischen noch komplexer geworden – deshalb lohnt es sich – für Zuschauer und Funktionäre, noch genauer hinzuschauen.

Das Wiederholungsspiel

Jedenfalls kam es, wie erwartet. Das Spiel wurde neu angesetzt. Und wieder führte Burladingen zur Halbzeit mit 2:0, nachdem David Skobic in der 27. Minute getroffen hatte und Denis Mehov kurz vor dem Pfiff nachlegte. Alexander Klaszka verkürzte in der 67. Minute für die Sportfreunde Bitz, doch Edwin Sieg stellte in der 78. Minute den alten Abstand wieder her. Das Spiel schien entschieden. Aber die Sportfreunde Bitz gaben wieder nicht auf: Joachim Funkenweh traf in der 87. Minute zum 3:2, und dann kam die 90.+6 – Leon Schulze-Temming erzielte den Ausgleich.

Der 1. FC Burladingen bekam eine zweite Chance. Die Sportfreunde mussten erneut ran und erkämpften sich im Wiederholungsspiel zumindest einen Punkt. Am Ende war es wohl ein gerechtes Ergebnis nach den 180 Minuten – und vielleicht hatte hier auch der Fußballgott ein wenig seine Finger im Spiel.

Über den Redakteur Matthias Zahner: Seit vielen Jahren berichtet Matthias über den regionalen Sport im Zollernalbkreis. Als volontierter Redakteur, passionierter Kicker und Tennisspieler kennt er die Sportplätze der Region von beiden Seiten. Bei Match.Report ist er für die „Socials” zuständig und schreibt die Kolumne „So gesehen”.