Alles gut beim FC 07 Albstadt – oder?

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Der FC 07 Albstadt führt die Tabelle in der Bezirksliga an. Foto: Jonas Bredefeld

Mit dem Format „So gesehen“ blicken unsere Redakteure ganz ungezwungen und mit klugem Blick auf Themen rund um den Lokalsport. Humorvoll, kritisch, analytisch oder einfach beschreibend – wir wollen Themen darstellen, die nicht im geregelten und  wöchentlichen Rhythmus Platz finden und einen eigenen Platz bekommen. 

Diesen Text hat unser Redakteur Matthias verfasst – mehr zu ihm findet ihr am Ende des Artikels und jetzt viel Spaß beim lesen!

Der FC 07 Albstadt ist weiter nicht zu stoppen. Auch gegen den TSV Frommern gab es am Samstag einen Kantersieg. Nach zehn Ligaspielen sind die Blau-Weißen ungeschlagen, die Konkurrenz hinkt hinterher.

Der Verein aus der Sportstadt dominiert die Bezirksliga Schwarzwald/Zollern in dieser Saison bisher nach Belieben. Wer gegen den FC 07 antritt, wird zittern, hoffen und bangen, dass eine böse Klatsche ausbleibt. Aber die Offensivreihe des Absteigers kennt keine Gnade. Die Qualität im Kader ist für das Bezirksoberhaus immens.

Der FC 07 Albstadt – ein Verein, der weiß, wer er ist

Das alles läuft runter wie ein kühles Blondes nach einem Sieg. Aber die Nullsiebener kennen ihren Anspruch – und wissen, dass sie in dieser Liga nicht hingehören. Albstadt, knapp 50.000 Einwohner, jahrelang Landesliga, zeitweise Verbandsliga. Allein vor diesen Fakten ist der Abstieg in die Bezirksliga in der vergangenen Saison zu bewerten. Der Fall auf Bezirksebene war alles andere als eine Kleinigkeit, es war eine Zäsur und vor allem ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die den Verein in anderen Sphären sehen.

Wenn man sich im Albstadion umschaut, wird das noch klarer. Die Infrastruktur mit Haupttribüne und Gegengerade passt nicht in eine Bezirksliga, in der sich Vereine mit kleinen Dorfplätzen tummeln. Das Stadion ist gebaut für mehr – für Kulissen, die es dort in guten Landesliga- und Verbandsliga-Jahren gab, und die sich heute wie eine andere Welt anfühlen. Die Realität ist die Bezirksliga.

Mann in kurzer Hose und kurzem Shirt in blau und weiß an der Seitenlinie eines Fußballfelds.

Die erste Mannschaft macht gerade Lärm – lauten, schönen Lärm. Und solange der anhält, sieht man nicht, was dahinter liegt.

Aufstieg? Und dann?

Sollten die Albstädter so weiterspielen, führt kein Weg am direkte Wiederaufstieg vorbei. Die eigentlichen Fragen werden aber danach erst anfangen. „Langfristig bleibt die Rückkehr in die Landesliga das Ziel“, sagt der Sportlicher Leiter Daniel Josipovic gegenüber matchreport.de. „Langfristig“ – in Albstadt wird in diesen Zeiten tiefgestapelt. Wer die Bezirksliga so dominiert wie der FC 07 in dieser Saison, muss jetzt klar sagen: Wir wollen rauf. Nächste Saison. Und wir planen dafür.

Die Herausforderung eine Etage höher: In der Landesliga reicht individuelle Qualität allein nicht mehr aus, dort braucht man Kadertiefe, Planungssicherheit und eine Vereinsstruktur, die das trägt. Genau an dieser Stelle wird es beim FC 07 Albstadt etwas dünn: Ein erster Vorstand fehlt laut Homepage noch immer, die sportliche Leitung wurde in den vergangenen Jahren mehrfach umgebaut. Aktuell teilen sich Josipovic und Torhüter Chris Leitenberger diese Aufgabe. Dieser stetige Wechsel in den Führungspositionen ist alles andere als optimal, auch wenn man das intern vielleicht ungern so sagt. Nun soll Kontinuität reinkommen – ein Ziel, das die Nullsiebener allerdings schon lange verfolgen.

Zweite Mannschaft und Nachwuchs – die Sorgenkinder

Die zweite Mannschaft, momentan Tabellenzehnter der Kreisliga B2, solle sich weiterentwickeln und perspektivisch höher spielen, lässt Josipovic wissen. Die Kreisliga A ist das Ziel. Gut. Aber auch dort kommt man nicht ohne Investitionen hin, denn aus der eigenen Jugend werden sich Spieler für die Aktiven-Mannschaften nicht einfach generieren lassen. Die A-Junioren, einst eine der hoffnungsreichsten Nachwuchsabteilungen der Region, jüngst setzte es eine 0:13-Klatsche gegen die SGM Wehingen/Gosheim; das Team ist Tabellenletzter der Regionenstaffel. Große Hoffnungen, dass Spieler mit Landesliga-Format aus der Jugend kommen, dürften sich auch die größten Optimisten in Albstadt nicht machen.

Also was bleibt für eine Wahl? Der Blick auf den Transfermarkt. Gute Spieler kosten Geld. Das wissen die Albstädter nur zu gut aus vergangenen Tagen.

Klassenunterschied zur Konkurrenz

Nicolas Gil Rodriguez, Samed Güngör, Dominick Mitrenga und ihre Mitspieler sind in der Bezirksliga derzeit nicht zu stoppen – zu groß ist die individuelle Qualität der Akbaba-Elf. Es ist momentan ein Klassenunterschied zur Konkurrenz. Die aktuelle Tabelle täuscht aber ein wenig über die Gesamtlage des Vereins hinweg. Hinter der starken Momentaufnahme warten Fragen, die die Nullsiebener beantworten müssen – über Struktur, Führung, Nachwuchs und die klare Positionierung, wohin die Reise gehen soll.

Die erste Mannschaft macht gerade Lärm – lauten, schönen Lärm. Und solange der anhält, sieht man nicht, was dahinter liegt. Baustellen, die auch mit Toren der ersten Mannschaft nicht zugemacht werden können.

Über den Redakteur Matthias Zahner: Seit vielen Jahren berichtet Matthias über den regionalen Sport im Zollernalbkreis. Als volontierter Redakteur, passionierter Kicker und Tennisspieler kennt er die Sportplätze der Region von beiden Seiten. Bei Match.Report ist er für die „Socials” zuständig und schreibt die Kolumne „So gesehen”.