Der Ergebnis-Wahnsinn der Region – Ein Plädoyer für die Kreisliga A2

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Kreisliga A2, 4. Spieltag, SSV Rübgarten - Anadolu SV Reutlingen, 06.09.2026 - Torjubel Onur Seyhan (Anadolu) Foto: Axel Grundler
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Mit dem Format „So gesehen“ blicken unsere Redakteure ganz ungezwungen und mit klugem Blick auf Themen rund um den Lokalsport. Humorvoll, kritisch, analytisch oder einfach beschreibend – wir wollen Themen darstellen, die nicht im geregelten und  wöchentlichen Rhythmus Platz finden und einen eigenen Platz bekommen. 

Diesen Text hat unser Redakteur Moritz verfasst – mehr zu ihm findet ihr am ende des Artikels und jetzt viel Spaß beim lesen!

Es gibt Sonntage, da klickst du dich abends durch Fussball.de und denkst dir: Was um alles in der Welt ist denn da schon wieder passiert?!

Wer sich in den letzten Wochen durch die Ergebnisse der Kreisliga A2 Reutlingen angeschaut hat, rieb sich vermutlich regelmäßig ungläubig die Augen. Man schaut auf die Resultate und denkt sich nur: Leute, was gebt ihr eigentlich bei euch in die Trinkflaschen?

Wir reden hier nicht über Einzelfälle. Wir reden über System. Nach dem ersten Saisondrittel stehen in der A2 unfassbare 378 Tore zu Buche. Das sind – man muss sich diese Zahl wirklich kurz auf der Zunge zergehen lassen – 5,2 Tore pro Spiel. Wer am Sonntagmittag auf die Plätze der A2 geht, der weiß, dass sich der üppige Kreisliga-Eintritt lohnt. Ein Torfestival ist praktisch vorprorammiert.

Bevor wir dies mit aktuellen Beispielen belegen, schauen wir uns zunächst die Jungs an, die daran maßgeblich beteiligt sind: Onur Seyhan von Anadolu Reutlingen führt aktuell die Torjägerliste an und hat nach zehn Spieltagen schlichtweg 16-mal eingnetzt. 16 Hütten! Dahinter zerlegen Leon Fleischer (TSV Eningen/Achalm) mit 14 Treffern und Dominik Grauer (SSV Rübgarten) mit 12 Buden für den überragenden Aufsteiger SSV Rübgarten die Abwehrreihen. 

Ganz ehrlich: Schaut man auf die Tabellen und Bilanzen, findet man darauf keine nackte, mathematische Antwort. Hier regiert das offene Visier. Wenn in der Profi-Bundesliga bei einem 1:0 der Riegel geschoben wird, damit man das Ergebnis trocken über die Zeit schaukelt, schaltet man in der Kreisliga A2 erst recht zwei Gänge höher.

Das führt zu Sonntagen, die dir kein Drehbuchautor schöner schreiben könnte.

Nach dem ersten Saisondrittel stehen in der A2 unfassbare 378 Tore zu Buche. Das sind – man muss sich diese Zahl wirklich kurz auf der Zunge zergehen lassen – 5,2 Tore pro Spiel.

Bestes Beispiel: Der jüngste Spieltag. Anadolu gewinnt mit 8:1 gegen den SV Walddorf II – Machtdemonstration. Zeitgleich führt der TSV Oferdingen mit 4:0 gegen die TSG Reutlingen. Jeder am Spielfeldrand packt gedanklich ein, holt sich noch ein Bier und hakte das Spiel ab. Und was passiert? Die TSG als Aufsteiger legt in der Schlussphase eine Moral an den Tag, dreht das Ding komplett auf den Kopf und gewinnt tatsächlich noch mit 5:4. Vogelwild!

Oder blicken wir auf den Spieltag davor: Die Young Boys II gewinnen 6:1 (die Tatsache, dass es erst der zweite Sieg des Tabellenvorletzten war macht dieses Ergebnis nochmal verrückter), Degerschlacht gewinnt ebenfalls mit 6:1, und der TSV Eningen unter Achalm fährt seit Wochen regelmäßig Kantersiege mit mehr als sechs Toren ein und rollt über die Konkurrenz hinweg. Oder der 18. Oktober: Der TSV Mähringen schlägt Croatia Reutlingen II mit 6:5 – allein das ist schon ein Wahnsinns-Ergebnis. Aber zeitgleich schlägt Eningen den SV Walddorf II mit 9:0 und Hellas Reutlingen die Young Boys II mit 7:2. Vermutlich könnten wir hier jeden Spieltag durchgehen und Ergebnisse wie diese abfeiern.

Fairerweise muss man hier jedoch auch erwähnen, dass das Gefälle innerhalb der Liga relativ hoch zu sein scheint. Die qualitativen Unterschiede von Top-Teams wie Anadolu, Degerschalcht und letztlich auch dem TSV Eningen/Achalm machen sich schon für in der Saison bemerkbar.

Wer auf diese Plätze geht, kauft nicht einfach nur eine Eintrittskarte für ein Fußballspiel. Der kauft ein Ticket für eine Wundertüte. Du weißt vor dem Anpfiff schlicht und ergreifend nicht, was du in den nächsten 90 Minuten kriegst. Wie bereits beschrieben stehen die Chancen für Tore ziemlich hoch, die Frage ist bei vielen Teams nur, für welche Seite diese fallen. 

Genau deshalb ist die Kreisliga A2 aktuell die ligaweit unterhaltsamste Spielklasse, die wir hier im Bezirk haben. Es ist eine Hommage an die Lust am Tore schießen, an den Mut der Aufsteiger und an Offensivspieler, die gerade einfach Bock auf Zocken haben.

Wer also das nächste Mal überlegt, ob er sonntags auf dem Sofa bleibt oder raus auf den Sportplatz geht: Spart euch die Bundesliga-Konferenz. Packt die Jacke ein, stellt euch an den Unterstand und schaut A2. Wenn der Schnitt hält, seht ihr garantiert mindestens fünf Tore. Welches Team sie schießt und wie das Spiel ausgeht? Das schauen wir dann.

Über den Redakteur: Moritz Rohrer (23) ist seit 2022 als Redakteur für Match.Report im Einsatz. Neben seiner eigenen aktiven Laufbahn als Fußballer beim FC Rottenburg in der Verbandsliga deckt er redaktionell schwerpunktmäßig die Region Neckar-Alb ab. Ob am Kommentatoren-Mikrofon, in der Stream-Regie oder direkt am Spielfeldrand: Als Allrounder ist er überall dort am Ball, wo spannender Lokal- und Regional-Content entsteht.