Für Kapitänin und Jugendtrainerin Lena Keppeler gibt es im Leben im Grunde nur zwei feste Zeiten: handballfrei oder Saison. Wenn der Sommer weicht, kehren endlich wieder die vertraute Handball-Routine, volle Hallen und das geliebte Harz an den Händen zurück. Zwischen Schichtdienst am Wochenende, knappen Herzschlag-Siegen und packenden Duellen auf dem Feld zeigt sie in den kommenden Wochen ganz persönliche Einblicke hinter die Kulissen. Freut euch auf pure Emotionen, Teamgeist und die Realität des Handballsports in unserer neuen Fünferkette!
Handballzeit – oder: Warum der Sommer für Handballer irgendwie nicht ganz vollständig ist
Für mich gibt es eigentlich nur zwei Zeiten im Jahr: handballfrei oder Saison. Das ist vermutlich die Zeitrechnung eines Sportlers. Umso mehr freue ich mich, dass ich euch in den kommenden Beiträgen als ausgewählte Sportlerin aus unserem „Ländle“ regelmäßig mit in meine Sportwelt nehmen darf. Ich möchte euch erzählen, was mich aktuell im Sport und natürlich ganz besonders im Handball beschäftigt, was mich bewegt und welche Themen mir als Spielerin immer wieder begegnen.
Ich lese selbst sehr gerne persönliche Berichte von Sportlern und Sportlerinnen und finde es deshalb eine schöne Möglichkeit, meine eigene Sicht auf den Sport mit euch zu teilen. Den ersten Beitrag möchte ich deshalb als kleinen Einstieg nutzen, um etwas vorzustellen und gleichzeitig einen Ausblick auf die nächsten Berichte zu geben.
Ich bin 24 Jahre alt, arbeite auch am Wochenende im Schichtdienst und spiele bei der HSG Hossingen-Meßstetten in der Verbandsliga Handball. Die „Heuberghölle“ ist dabei seit Beginn meine sportliche Heimat. Hier habe ich nicht nur selbst das Handballspielen gelernt, sondern darf mittlerweile auch als Kapitänin Verantwortung für meine Mannschaft übernehmen. Zusätzlich bin ich in der Jugendabteilung des TSV Meßstetten tätig und mache eigentlich täglich Sport. Handball begleitet mich nämlich schon, seit ich denken kann. Ich bin quasi mit Handball groß geworden. Ich habe schon in die ersten Harzflecken gegriffen, da konnte ich noch nicht einmal laufen. Danke an meinen Papa an dieser Stelle.
Aber vielleicht erklärt genau das ganz gut, warum Handball für mich nie einfach nur irgendein Hobby war. Handball war immer da. Irgendwann kam bei mir neben dem Handball auch der Fußball dazu. Ich habe beide Sportarten mit Leidenschaft gespielt und diese Begeisterung ist bis heute geblieben. Fußball schauen und Fußball spielen sind für mich genauso zwei unterschiedliche Dinge wie Handball schauen und selbst auf dem Spielfeld stehen. Beides hat seinen ganz eigenen Reiz.
Genau auf dieses Thema möchte ich in einem meiner kommenden Beiträge auch noch genauer eingehen: Handball und Fußball – zwei Sportarten, die ich beide liebe, die aber trotzdem ganz unterschiedliche Seiten in mir ansprechen.
Aber zurück zum Handball.
Für mich gibt es nämlich tatsächlich eine ganz besondere Jahreszeit – und die beginnt, wenn der Sommer langsam zu Ende geht. Die Sommerpause ist jedes Jahr irgendwie eine Zeit zwischen den Stühlen. Ich würde fast sagen: Da bin ich ein bisschen „lost“, weil plötzlich diese eine Konstante fehlt, die sonst einen ziemlich großen Teil meines Alltags bestimmt. Einerseits genießt man die Ruhe natürlich. Nach einer langen Saison tut es gut, einmal nicht jeden Abend an Training, Spielvorbereitung oder den nächsten Gegner denken zu müssen. Man kann Abstand gewinnen, die vergangene Saison Revue passieren lassen und sich fragen: Was lief gut? Was hätte besser laufen können? Und vor allem: Was möchte ich in der neuen Saison anders oder besser machen?
Und dann kommt irgendwann dieser Moment, an dem man merkt:
Irgendwas fehlt. Es fehlt diese „Handball-Routine.“ Während der Saison weiß man einfach, was wöchentlich ansteht. Training, Spieltag, Vorbereitung, Regeneration. Die Handballtasche steht gefühlt dauerhaft bereit und am Montag freut man sich schon wieder aufs Wochenende.
Und auch außerhalb des eigenen Vereins ist eigentlich immer etwas los. Unter der Woche läuft abends irgendein Spiel auf DYN, am Wochenende kann man sich gefühlt durch sämtliche Ligen schauen. Erste Liga, zweite Liga, Frauen, Männer – und gerade unsere Region hat unglaublich viel Handball zu bieten.
Man kann einen kompletten Samstag oder Sonntag in einer Halle verbringen, von Spiel zu Spiel gehen, Zeit auf der Tribüne verbringen und sich zwischendurch von belegten Weckle aus den Vereinsheimen ernähren.
Für manche vielleicht schwer vorstellbar. Für mich klingt das nach einem ziemlich perfekten Tag. Und ich glaube, jeder Handballer weiß genau, was ich meine. Deshalb bin ich ehrlich gesagt auch gar nicht besonders traurig, wenn der Sommer irgendwann zu Ende geht. Denn dann kommt etwas zurück, das mir im Sommer gefehlt hat: Dieses ganz besondere Gefühl von „Saison“.
Von Sommermodus auf Saisonmodus.
Die Hallen werden voller. Es gibt Heimspieltage und lange Auswärtsfahrten, gemeinsame Abende mit der Mannschaft und natürlich diese ganz besondere Spannung vor dem nächsten Spiel. Und auch im Kopf beginnt mit jeder neuen Saison ein kleiner Neustart. Die Karten werden neu gemischt, neue Ziele werden gesteckt, neue Gegner kommen dazu und man bekommt die Möglichkeit, aus den
Erfahrungen der vergangenen Saison zu lernen. Für mich persönlich ist genau das jedes Jahr aufs Neue spannend. Was wird die neue Saison bringen? Wie entwickeln wir uns als Mannschaft? Wo können wir uns verbessern? Welche Herausforderungen warten auf uns? Und natürlich bin ich auch gespannt, wie sich der Handball insgesamt weiterentwickelt. Denn wenn ich eines an diesem Sport besonders faszinierend finde, dann ist es die Geschwindigkeit. Handball ist in den vergangenen Jahren immer schneller, athletischer und intensiver geworden. Genau diese Dynamik liebe ich: das ständige Umschalten, schnelle Entscheidungen und das Gefühl, dass sich ein Spiel innerhalb weniger
Sekunden komplett drehen kann.
Aber was bedeutet diese Entwicklung eigentlich für den Spieler? Wird Handball dadurch automatisch spannender oder vielleicht auch hektischer und körperlich anspruchsvoller? Genau mit dieser Frage möchte ich mich in einem meiner kommenden Beiträge noch etwas genauer beschäftigen. Denn Tempohandball ist ein Thema, das mich selbst als Spielerin sehr beschäftigt und über das es sicherlich einiges zu erzählen gibt. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich wahrscheinlich auch weiterhin für den knappen Sieg mit einem Tor Unterschied statt für den deutlichen Kantersieg entscheiden – so, wie ich es auch schon einmal in einem vergangenen Interview mit Match.Report erwähnt habe.
Nicht, weil ein klarer Sieg nicht schön wäre, natürlich nicht. Aber dieses Gefühl, wenn zwei Mannschaften 60 Minuten lang auf Augenhöhe kämpfen und am Ende ein einziger Treffer entscheidet, ist für mich schwer zu übertreffen. In den kommenden Beiträgen soll es nicht nur um Ergebnisse und Tabellen gehen. Ich möchte euch auch die Dinge zeigen, die man von außen vielleicht gar nicht sieht: Wie fühlt sich eine Saison eigentlich aus Sicht eines Spielers an? Wie bekommt man Handball und Schichtdienst unter einen Hut? Wie sieht ein Spieltag aus, wenn man nicht nur die 60 Minuten auf dem Spielfeld betrachtet? Ich möchte euch dabei ein Stück weit mitnehmen – in die Halle, ins Training, in die Mannschaft und natürlich auch in die ganz persönlichen Momente dazwischen. Wenn Handball eben nicht nur ein Hobby ist, sondern ein
ziemlich großer Teil des eigenen Lebens.
Umso mehr freue ich mich auf die Saison, die bereits begonnen hat – auf die eigenen Spiele, auf Siege, Emotionen, Teamgeist und natürlich auf Harz an den Händen. Und plötzlich fühlt sich alles wieder ein bisschen normal an. Denn für mich gibt es eigentlich nur zwei Zeiten im Jahr: handballfrei oder Saison.
Und ehrlich gesagt weiß ich schon ganz genau, welche davon mir lieber ist.
