Scheuermann: Der Sprung ins Unbekannte (Fünferkette)

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Volleyball 2. Bundesliga Saison 2023/2024 TV Rottenburg - VC Eltmann 28.10.2023 JUBEL, Trainer Jan Scheuermann (TV Rottenburg) FOTO: ULMER Pressebildagentur xxNOxMODELxRELEASExx
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Nach sechs Jahren Abwesenheit spielt der TV Rottenburg wieder in der 1. Volleyball-Bundesliga – und geht mit einem jungen Kader und einem hungrigen Trainer ins Abenteuer Oberhaus. Cheftrainer Jan Scheuermann spricht in unserem neuen „Fünferkette“-Porträt offen über die sportlichen Fragezeichen, den Reiz des Unbekannten und seine eigene Lernkurve auf dem neuen Niveau. Trotz finanzieller Nachteile im Vergleich zu den etablierten Top-Klubs will das Team über eine klare Identität, bedingungslosen Einsatz und eine leidenschaftliche Fankultur dagegenhalten.

Sechs Jahre nach dem coronabedingten Rückzug aus der 1. Bundesliga steht der TV Rottenburg wieder im deutschen Oberhaus. Für mich persönlich ist das eine besondere Aufgabe, und ich mache mir da nichts vor: Ich habe selbst nie auf diesem Niveau gespielt, ich habe auch noch nie auf diesem Niveau als Trainer gearbeitet.
Unser Kader besteht aus neun jungen, talentierten Spielern, die uns aus der 2. Liga in den Aufstieg begleitet haben, von denen aber kaum einer richtig auf 1.-Liga-Niveau gespielt hat, plus fünf neuen Gesichtern, teils jung, teils mit wenig bis keiner Erfahrung auf diesem Niveau oder in der Liga, teils international.

Ehrlich gesagt: Wir wissen nicht genau, was uns als neues Team erwartet. Und genau das ist gerade das Thema, das mich am meisten umtreibt.
Diese Situation ist wahrscheinlich Fluch und Segen zugleich. Wir können vermeintlich befreit und motiviert auftreten und alles reinwerfen, gleichzeitig bin ich mir auch darüber bewusst, dass es im Leistungssport, in dem wir uns nun befinden, Ergebnisse braucht.

Ich will das Ganze jedoch als Chance sehen, für den Verein, für die Spieler und auch für mich. Davon habe ich schon letzte Saison immer gesprochen: Der Verein und die Mannschaft brauchen einen neuen Impuls. Diesen Impuls haben wir jetzt, und nun gilt es, sich bestmöglich auf das Ungewisse vorzubereiten.

Weil mir die eigene Erfahrung fehlt, versuche ich, sie mir von außen zu holen. Ich suche Gespräche mit Leuten, die dieses Niveau kennen, setze mich noch intensiver mit der Arbeit als Trainer auf diesem Level auseinander, versuche zu verstehen, was dort wirklich zählt, um mir ein möglichst realistisches Bild zu machen, bevor wir selbst mittendrin stehen. Dabei hilft mir auch der Blick über den eigenen Tellerrand, in andere Sportarten und andere Vereine. Es gibt genügend Beispiele, die mich inspirieren: Vereine mit langer Tradition, wahnsinniger Fankultur und starker Jugendarbeit, die nach Rückschlägen zurückgekommen sind, nicht über individuelle Einzelqualität, sondern über klare Prinzipien und gelebte Werte. Eine klare Idee und ein Team, das alles dafür tut. Mit Emotion, mit Leidenschaft.

Genau da sehe ich größtenteils auch unseren Weg. Wir werden finanziell wahrscheinlich nie mit den etablierten Adressen der Liga mithalten können, aber Auftreten kann jeder, und das ist für mich nicht verhandelbar. Wie erfolgreich wir am Ende spielerisch sind, werden wir sehen. Aber ich will, dass man uns von der ersten bis zur letzten Sekunde anmerkt: Diese Mannschaft tut alles dafür, um möglichst schwer schlagbar zu sein, und ist bereit, ihre Chancen zu nutzen.

Wir wollen unseren Spielern die Möglichkeit geben, den nächsten Schritt zu gehen und sich an das Niveau heranzuentwickeln, und trotzdem braucht es, wie gesagt, am Ende auch Ergebnisse, um mindestens ein Team hinter uns zu lassen und in der Klasse zu bleiben, was das gemeinsame Ziel ist.

Die eigentlichen Fragen, die mich gerade am meisten beschäftigt, sind trotzdem sportliche: Kann diese Mannschaft 1. Liga? Das Potenzial sehe ich im Training, und ich bin angetan. Ich sehe, dass alle Spieler wollen und sehr hart arbeiten.
Können sie die Idee, die wir uns vorgenommen haben, auf dem Feld umsetzen, und ist diese Idee, wenn sie umgesetzt wird, auf diesem Niveau überhaupt erfolgreich? Dazu gehören für mich ein paar Grundprinzipien, die jeder Einzelne verstehen und verinnerlichen muss, egal gegen wen wir spielen, nicht als starres Konzept, sondern als gemeinsame Sprache, auf die sich die ganze Mannschaft verlassen kann. Meine Rolle als Trainer: Ich muss die Spieler davon überzeugen und ihnen erklären, warum wir das so sehen und so denken.
Haben wir aktuell alle Fähigkeiten, die es für den Klassenerhalt braucht? Diese Frage wird man wohl erst in ein paar Wochen etwas genauer beantworten können, wenn die ersten Testspiele absolviert sind. Spätestens aber nach den ersten Ligaspielen, wenn wir einen echten Vergleich haben.

Fakt ist: Wir wollen das Maximale aus uns als Team und Verein herausholen. Ich glaube fest daran, dass man an seinen Herausforderungen wächst, als Mannschaft, als Spieler, genauso wie als Trainer. Und genau in dieser Rolle sehe ich mich gerade selbst: bereit, alles aufzusaugen, jede Trainingseinheit und jedes Spiel zu reflektieren, von jedem zu lernen, der mehr Erfahrung auf diesem Niveau hat als ich.

Ob das reicht, weiß ich heute nicht. Aber ich gehe mit einer klaren Haltung in diese Saison: Wir werden nicht mit den Mitteln der etablierten Vereine spielen können, aber wir haben auch Qualität und können mit unserer Einstellung, unseren Prinzipien und unserer Bereitschaft zu lernen dagegenhalten.
Und dann haben wir ja auch noch unsere überragenden Fans. Auch für sie werden die Erstliga-Heimspiele in der Volksbank-Arena etwas völlig Neues sein.

Der Sprung ins Unbekannte betrifft also nicht nur die Mannschaft und mich, sondern uns alle gemeinsam. Genau darin liegt für mich der Reiz.

Ich freue mich jedenfalls darauf, euch in den nächsten Ausgaben mitzunehmen auf diesen Weg, mit allem, was dazugehört.

TV Rottenburg Logo

Jan Scheuermann

TV Rottenburg (Volleyball)
Fünferkette Porträt
🎯 Aktuelle Station
TV Rottenburg Volleyball
Cheftrainer (1. Bundesliga / Herren)
📍 Herkunft / Fokus
Heidelberg
Akribischer Taktiker & Spielanalytiker
🗺️ Der bisherige Weg
TV Rottenburg (Cheftrainer)
Geht in seine siebte Saison an der Seitenlinie; prägt den Verein als akribischer Taktiker.
Nachwuchs- & Schnittstellenarbeit
Wichtige Verbindung und Bindeglied zwischen Bundesliga-Team und Nachwuchsbereich.
🏆 Highlights & Erfolge
7. Saison beim TVR Detailverliebte Taktik & Videoanalyse Schnittstelle Bundesliga & Jugend Volleyball-Vollblüter

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