Hinter den Verbandsliga-Fußballerinnen des SV Eutingen liegt eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen DFB-Pokal-Euphorie und verpatztem Ligastart. In ihrem schonungslos ehrlichen Fünferkette-Beitrag reflektiert das Team, warum der Wurm drin war und wie die aufgebürdete Favoritenrolle den Blick auf die harte Liga-Realität verstellte. Statt sich in Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen oder Pech zu verlieren, fordert die Mannschaft eine Rückbesinnung auf alte Tugenden: Härte, Biss und echten Kampfgeist. Mit den jüngsten Befreiungsschlägen vor Augen zeigt sich der SVE entschlossen, die Rolle als Jäger anzunehmen und die Saison von hinten aufzurollen.
Wenn einmal der Wurm drin ist, ist er richtig drin …
Der sechste Spieltag ist gespielt, die Verbandsliga ist mittendrin in der Saison. Der DFB-Pokal ist Geschichte – ein einmaliges Erlebnis, das uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Doch während die Euphorie rund um die Pokalspiele groß war, lief es für den SV Eutingen in der Liga zunächst alles andere als nach Plan. Zehn Punkte stehen nach sechs Spieltagen auf dem Konto. Damit liegen wir hinter unseren eigenen Erwartungen zurück.
Dabei waren die Erwartungen vor der Saison groß. Die Vorbereitung war lang und intensiv, die Erlebnisse rund um den DFB-Pokal sollten zusätzlichen Schwung geben. Viele sahen uns als Favoriten der Liga – und auch wir selbst hatten uns ein klares Ziel gesetzt: Wir wollten ganz oben angreifen und am Ende die Meisterschaft holen.
Mit der Energie aus Worms, dem Heimspiel gegen Jena und dem unglaublichen Support, den wir in den vergangenen Wochen erfahren durften, wollten wir auch in der Verbandsliga von Beginn an zeigen, was in uns steckt. Doch zunächst ist es uns nicht gelungen, diese Energie konstant auf den Platz zu bringen.
Während Mannschaften wie Donzdorf, Sindelfingen und Aufsteiger Lustnau mit einer Reihe von Siegen in die Saison gestartet sind und sich die vorderen Tabellenplätze teilen, suchten wir Woche für Woche nach der Form, die wir uns selbst von uns erwarten.
Dabei waren die Spiele keineswegs chancenlos. Viele Partien waren intensiv und eng umkämpft. Doch gerade in den entscheidenden Momenten fehlte uns häufig das letzte Quäntchen – manchmal das Glück, manchmal aber auch die letzte Konsequenz und der unbedingte Wille. Gegen Donzdorf beispielsweise lagen wir bereits mit 1:4 zurück, kämpften uns eindrucksvoll auf 4:4 heran und hatten das Momentum in der zweiten Halbzeit eigentlich auf unserer Seite. Trotzdem mussten wir uns am Ende mit 4:6 geschlagen geben. Ein Punkt wäre möglich gewesen, vielleicht sogar mehr. Doch wieder standen wir mit leeren Händen da.
Dann kam das Spiel gegen Jungingen. Ein 9:2-Kantersieg, der eigentlich der Befreiungsschlag sein sollte. Der Knoten schien geplatzt. Neun Tore, fünf verschiedene Torschützinnen und eine Leistung, die vieles von dem zeigte, was wir in den Spielen zuvor vermissen ließen: Zweikampfstärke, Biss, Schnelligkeit, Härte, gute Umschaltmomente und vor allem Torgefahr. Wir ließen Jungingen kaum Luft zum Atmen. Der Gegner fand nur wenige Mittel, unser Spiel zu stoppen. Neunmal konnten wir jubeln – und es hätte durchaus noch höher ausgehen können. Es war genau die Art von Spiel, die uns Selbstvertrauen geben sollte. Der Beweis, dass wir Tore schießen können und in dieser Mannschaft sehr viel richtig läuft.
Doch die Freude darüber hielt zunächst nicht lange an.
Mit dem Kantersieg im Rücken empfingen wir Sindelfingen – einen ernstzunehmenden Gegner, der in dieser Saison ebenfalls bereits für beeindruckende Ergebnisse gesorgt hatte. Wir gingen selbstbewusst in die Partie, erwischten einen guten Start, machten Druck und pressten Sindelfingen weit in die eigene Hälfte.
Eine Großchance folgte auf die nächste. Doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Wir waren über weite Strecken die überlegene Mannschaft, verloren mit jeder vergebenen Chance aber zunehmend an Überzeugung und machten es dem Gegner leichter, ins Spiel zu finden. Zwei einfache Konter genügten Sindelfingen schließlich, um mit 2:0 in Führung zu gehen und den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf zu stellen.
Natürlich kann man sich über vieles ärgern: über einen aus unserer Sicht nicht gegebenen Elfmeter bereits in der ersten Minute, über die vielen vergebenen Chancen und über das Pech, das uns gefühlt seit Wochen verfolgt. Aber am Ende hilft uns das alles nicht weiter. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die Punkte sind weg – ganz egal, ob verdient oder unverdient. Mit Diskussionen über Chancen, Schiedsrichterentscheidungen oder Pech wird am Ende niemand Meister.
Was bleibt, ist die Enttäuschung über verlorene Spiele, verschenkte Punkte und vor allem über die Art und Weise, wie wir uns teilweise in Niederlagen ergeben haben. Wenn es nicht läuft, müssen wir lernen, uns dagegenzustemmen. Denn gerade in einer ausgeglichenen Liga macht nicht immer nur die spielerische Qualität den Unterschied. Oft sind es die kleinen Aktionen: der letzte Schritt im Zweikampf, der entscheidende Laufweg, der Pass, den wir unbedingt noch abfangen, oder der Ball, den wir mit aller Überzeugung über die Linie drücken. Genau hier entscheiden Mentalität, Leidenschaft und Kampfgeist. Diesen Vorteil müssen wir uns zunutze machen, statt uns selbst zum Gegner zu werden.
Wenn ein Spiel auf der Kippe steht, dürfen wir nicht darauf warten, dass sich das Blatt von allein wendet. Wir müssen es selbst drehen wollen, mehr Aktionen erzwingen und auch nach Rückschlägen die volle Überzeugung auf den Platz bringen. Wir dürfen uns nicht mit einer Niederlage abfinden, bevor das Spiel vorbei ist. Stattdessen müssen wir füreinander einstehen, Tore erzwingen und es jedem Gegner so schwer wie möglich machen, gegen uns überhaupt gefährlich zu werden.
Wir müssen wieder unangenehm werden. Eklig. In der Defensive bis zum letzten Moment verteidigen, Zweikämpfe annehmen und füreinander kämpfen. Nicht nur dann, wenn es läuft, sondern gerade dann, wenn wir Rückschläge verkraften müssen. Mit dem unbedingten Willen, niemals aufzugeben, bevor der Schiedsrichter abpfeift.
Vielleicht war die Favoritenrolle vor der Saison zu viel. Vielleicht fühlen wir uns als Jäger wohler als als Gejagte. Vielleicht hat uns die Euphorie rund um den DFB-Pokal zeitweise den Blick auf die Realität der Liga verstellt. Vielleicht von allem ein bisschen. Sicher ist aber eines: Wir müssen aus den vergangenen Spielen lernen, ehrlich zu uns selbst sein und Verantwortung übernehmen.
Mit dem überzeugenden 4:0-Sieg gegen Münchingen und dem 5:1-Sieg gegen Derendingen haben wir endlich wieder ein deutliches Zeichen gesetzt. Neun Tore, ein Gegentor und zwei Erfolgserlebnisse, die uns hoffentlich die nötige Sicherheit zurückgeben. Vielleicht war das genau der Knoten, der jetzt endlich geplatzt ist.
Zehn Punkte nach sechs Spieltagen sind nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir wissen, dass wir mehr können. Entscheidend ist jetzt aber nicht, was in den vergangenen Wochen schiefgelaufen ist, sondern was wir aus den kommenden Wochen machen. Wir müssen den Schwung aus den vergangenen zwei Siegen mitnehmen, an unsere Stärken glauben und Woche für Woche unsere Leistung abrufen. Nicht mit großen Worten, sondern auf dem Platz – mit Leidenschaft, Zusammenhalt und der Überzeugung, jedes Spiel gewinnen zu können.
Die Saison ist noch lang. Es gibt noch viele Punkte zu holen, Zweikämpfe zu gewinnen und Tore zu schießen. Wir haben die Qualität, wir haben die Mannschaft und wir haben es selbst in der Hand, die Richtung zu ändern. Jetzt gilt es, die Siege gegen Münchingen und Derendingen nicht als einmaligen Befreiungsschlag zu sehen, sondern als Anfang einer Serie, in der wir uns unser Selbstvertrauen zurückholen und wieder zeigen, wozu wir fähig sind.
Denn am Ende wird nicht entscheidend sein, wie wir in die Saison gestartet sind, sondern wie wir auf diese schwierige Phase reagiert haben. Wir müssen aufstehen, zusammenhalten und weitermachen. Spiel für Spiel. Zweikampf für Zweikampf. Punkt für Punkt.
Der Wurm mag noch nicht ganz verschwunden sein. Aber wir haben es selbst in der Hand, ihn endgültig loszuwerden. Und genau das wollen wir jetzt zeigen.
