Wer im Amateurfußball nur auf die 90 Minuten am Wochenende schaut, verpasst das Eigentliche. FC-Holzhausen-Kapitän Niklas Schäuffele nimmt uns in seinem ehrlichen Beitrag mit hinter die Kulissen zwischen Job, dreimal wöchentlichem Training, langen Fahrten und vollen Wochenenden. Er zeigt, wie viel Organisation und Verzicht hinter dem Amateursport stecken – und warum am Ende trotzdem genau dieser gemeinsame Aufwand das ist, was den Fußball so besonders macht.
Ganz ehrlich: Wer im Amateurfußball nur auf die 90 Minuten am Wochenende schaut, bekommt nur einen kleinen Ausschnitt davon mit, was wirklich dahintersteckt. Von außen sieht man meistens das Spiel, das Ergebnis und vielleicht ein paar Highlights. Was man weniger sieht: die Abende unter der Woche, die Fahrten, die Organisation, die müden Beine und den Verzicht im Privatleben.
Training heißt nicht nur Training
Bei uns bedeutet das dreimal pro Woche Training, jeweils rund eineinhalb Stunden. Aber eine Einheit beginnt nicht erst mit dem ersten Ballkontakt und endet auch nicht mit dem letzten Pfiff. Man ist vorher da, zieht sich um, bereitet sich vor, danach wird geduscht, vielleicht noch etwas besprochen und dann geht es wieder nach Hause. Wer zusätzlich 30 oder 45 Minuten Fahrt hat, merkt schnell: Aus einer Trainingseinheit wird ein kompletter Abend.
Dazu kommt alles, was rund um den Fußball passiert: Physio, Regeneration, private Einheiten im Fitnessstudio und an manchen Tagen auch Videoanalyse. Donnerstags sitzen wir nach dem Training meistens noch zusammen im Sportheim, essen gemeinsam und schauen Videos. Das verlängert den Abend natürlich, aber genau solche Dinge gehören eben auch dazu – sportlich und menschlich.
Job, Studium und Spielplan
Viele Spieler arbeiten Vollzeit, andere studieren, manche stecken in Prüfungsphasen oder haben auf der Arbeit gerade besonders stressige Wochen. Trotzdem steht man abends auf dem Platz. Manchmal direkt aus dem Büro, manchmal aus der Uni, manchmal mit dem Kopf noch halb bei anderen Themen. Das ist nicht immer einfach, aber es ist Teil dieses Niveaus.
Und wahrscheinlich geht es nicht nur uns so. Auch viele Spieler z.B. in der Verbandsliga oder Landesliga kennen diesen Alltag: arbeiten, studieren, fahren, trainieren, regenerieren und versuchen, nebenbei noch genug Zeit für Familie, Freunde oder Partnerin zu finden. Ambitionierter Amateurfußball ist deshalb vor allem auch eine organisatorische Aufgabe.
Wenn der Spieltag den ganzen Tag frisst
Besonders deutlich wird das an den Spieltagen. Heimspiele nehmen oft schon einen halben Tag ein. Bei Auswärtsspielen quer durch Baden-Württemberg ist schnell der komplette Samstag oder Sonntag weg. Früh treffen, gemeinsam fahren, essen, vorbereiten, spielen, danach wieder zusammen zurück – wenn man am Abend heimkommt, ist vom Wochenende oft nicht mehr viel übrig.
Genau deshalb ist Verzicht ein großes Thema. Spontane Wochenendtrips, private Termine oder Urlaub müssen oft um den Spiel- und Trainingsplan herum geplant werden. Man kann nicht immer einfach zusagen, sondern muss viel abstimmen. Das betrifft einen selbst, aber genauso das private Umfeld, das diesen Rhythmus ein Stück weit mitträgt.
Warum es den Aufwand trotzdem wert ist
Trotzdem macht man es gerne. Weil die Mannschaft, die Kabine und die gemeinsamen Erlebnisse extrem viel zurückgeben. Ein gemeinsames Essen nach dem Training, eine lange Auswärtsfahrt, ein Sieg, den man sich zusammen erarbeitet hat, oder auch eine schwierige Phase, durch die man gemeinsam durchgeht – genau daraus entsteht dieses besondere Mannschaftsgefühl.
Ambitionierter Amateurfußball verlangt viel. Zeit, Disziplin, Organisation und manchmal auch Verzicht. Aber wenn man Teil einer Mannschaft ist, die diesen Aufwand gemeinsam trägt, dann fühlt es sich nicht nur wie Belastung an. Dann wird genau dieser Aufwand zu dem, was den Fußball besonders macht.
