Linder: Wenn eine Sekunde eine Saison verändert (Fünferkette)

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Fussball, Frauenfussball Verbndliga Wuerttemberg 05.03.2023 DFB Ehrung zur Amateurfussballerin des Jahres 2022: Petra Linder (TSV Frommern) FOTO: ULMER Pressebildagentur xxNOxMODELxRELEASExx
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Ein falscher Schritt, ein kurzer Moment – und eine komplette Fußballsaison steht Kopf. Beim TSV Frommern sind in dieser Saison gleich zehn Spielerinnen von schweren Kreuzband- und Meniskusverletzungen betroffen. In ihrem tiefgründigen ‚Fünferkette‘-Gastbeitrag gibt Trainerin Petra Linder ehrliche Einblicke in eine Ausnahmesituation, die auch an der Seitenlinie Spuren hinterlässt. Sie schreibt über veränderte Trainingsschwerpunkte und Prävention, den steinigen Weg zurück in kleinen Schritten, die mentale Begleitung von Spielerinnen im Reha-Tal – und darüber, warum jeder kleine Fortschritt ein riesiger Erfolg ist.

Wenn eine Sekunde eine Saison verändert
Thema: Kreuzbandruptur und Begleitverletzung Meniskus im Frauenfußball. Zwischen Prävention, Reha und dem Weg zurück, aber nicht nur eine Herausforderung für die Spielerinnen sondern auch für das. Trainerteam

Ein falscher Schritt, eine unglückliche Landung, eine kurze Drehbewegung – und innerhalb einer Sekunde kann sich eine komplette Fußballsaison verändern.

Kreuzband- und Meniskusverletzungen begleiten unser Team bereits seit mehreren Jahren. In der aktuellen Saison sind bei einem Kader von 23 Spielerinnen insgesamt zehn von einer solchen Verletzung betroffen – sie haben diese bereits hinter sich, befinden sich aktuell in der
Reha oder arbeiten sich gerade zurück ins Mannschaftstraining. Erst vor wenigen Wochen kam im letzten Vorbereitungsspiel eine weitere Ruptur des hinzu.
Was diese Situationen besonders belastend macht: Häufig braucht es dafür keine spektakuläre Szene. Kein hartes Foul, keinen heftigen Zusammenprall. Manchmal genügt ein falsches Aufkommen oder ein kurzes Wegknicken – non contact sozusagen.

Dann hört man evt. dieses Geräusch – „Ratsch“ –sieht die Szene und kurz darauf den Schrei der Spielerin. Für eine Trainerin ist dieser Moment mittlerweile mit einem sofortigen Gedanken verbunden: Bitte nicht schon wieder.
Denn hinter dieser einen Sekunde können Monate der Reha und im schlimmsten Fall fast ein komplettes Jahr ohne Fußball stehen.

Prävention wird zum festen Bestandteil
Die wiederkehrenden Verletzungen haben auch unseren Trainingsalltag verändert. Das Aufwärm- und Aktivierungsprogramm wurde angepasst, Kraft, Stabilität und Koordination werden gezielter trainiert. Sprung- und Landetechniken gehören ebenso dazu wie Übungen zur Verbesserung der Körperkontrolle.
Einen eindeutigen Zusammenhang, ob die Verletzungen häufiger auf Kunstrasen oder Naturrasen auftreten oder ob der Zyklus eine Rolle spielt, können wir aus unseren Erfahrungen nicht ableiten.

Was wir aber können, ist Prävention stärker in den Trainingsalltag  integrieren.

Dazu gehört auch Aufklärung. Bei einem Informationsabend haben wir das Thema Verletzungsprävention und die besonderen Risiken im Frauenfußball thematisiert. Denn gerade nach einer überstandenen Verletzung ist der Wiedereinstieg ein kritischer Zeitpunkt. Die körperliche Fitness allein reicht nicht aus – auch das Vertrauen in das eigene Knie muss
zurückkehren.

Der Weg zurück beginnt in kleinen Schritten
Die Rückkehr ins Mannschaftstraining ist deshalb ein Prozess.
Zunächst stehen häufig einfache Passübungen oder individuelle Einheiten auf dem Programm. Die Belastung wird Schritt für Schritt erhöht, bevor wieder komplexere Bewegungen, Zweikämpfe und schließlich die volle Trainingsbelastung möglich sind.
Dabei gilt: Jede Spielerin ist anders.

Die eine kommt schnell zurück, die andere benötigt mehr Zeit. Mal zwickt es, mal schmerzt es, manchmal ist es vor allem der Kopf, der noch bremst.
Für die Trainerin bedeutet das, ständig abzuwägen: Was kann ich bereits verlangen? Wo muss ich noch bremsen? Wann ist es zu viel? Wie gestalte ich das Training mit den Spielerinnen?

Neben dem körperlichen Aufbau gehört deshalb auch die psychische Begleitung zu diesem Prozess. Gespräche führen, Mut machen, Ängste nehmen und Vertrauen schaffen – auch das ist Teil der Rückkehr auf den Platz.

Wenn die Verletzungen auch die Trainerin belasten
Bei all dem wird oft vergessen, dass solche Verletzungen auch an einer Trainerin nicht spurlos vorbeigehen.

Mit jeder weiteren Verletzung wächst die Sorge. Wenn eine Spielerin nach einem Zweikampf liegen bleibt und sich das Knie hält, laufen die Gedanken sofort: Wie schlimm ist es? Wie lange fällt sie aus? Wie müssen wir die Aufstellung verändern? Wie können wir sie auffangen?

Und irgendwann merkt man, dass die vielen Verletzungen auch emotional etwas mit einem selbst machen.

Eine Knieschiene am Spielfeldrand steht dann nicht mehr nur für eine Verletzung. Sie steht für eine Spielerin, die plötzlich aus ihrem normalen Fußballalltag gerissen wurde – für Reha, Geduld, Zweifel und die lange Sehnsucht nach dem Platz.
Trotzdem muss es weitergehen. Das Team braucht eine Trainerin, die verletzte Spielerin braucht Unterstützung und der Trainings- und Spielbetrieb läuft weiter.

Jeder Schritt zurück ist ein Erfolg
Umso besonderer sind die Momente der Rückkehr.
Der erste Pass mit der Mannschaft. Das erste komplette Training. Der erste Zweikampf. Und irgendwann wieder das Trikot im Spiel.

Was für andere wie eine ganz normale Trainingseinheit aussieht, kann für eine Spielerin nach einer langen Verletzung ein riesiger Schritt sein.

Wir können nicht jede Verletzung verhindern. Aber wir können unseren Umgang damit verändern.

Prävention ernst nehmen. Training anpassen. Spielerinnen aufklären. Individuell begleiten. Zuhören. Mut machen.

Und vor allem: Die Spielerinnen auf ihrem Weg zurück nicht alleine lassen.
Denn eine Kreuzband- oder Meniskusverletzung beendet nicht zwangsläufig die Fußballgeschichte einer Spielerin.
Sie verändert sie – und der Weg zurück beginnt mit jedem einzelnen Schritt.

Petra Linder Trainerin, TSV Frommern, Frauenfußball Verbandsliga

TSV Frommern Logo

Petra Linder

TSV Frommern (Frauen-Verbandsliga)
Fünferkette Porträt
🎯 Aktuelle Station
TSV Frommern Frauen
Trainerin (Verbandsliga)
⭐ Auszeichnung
Amateurin des Jahres 2022
Offizielle Ehrung
🗺️ Werdegang & Stationen
Trainerin beim TSV Frommern
Bereits seit 2015 als Trainerin im Verein aktiv (zunächst im Jugendbereich bei den B-Juniorinnen, ab 2024 als verantwortliche Trainerin der Frauen-Verbandsliga).
Spielerin beim TSV Frommern
Lange Jahre als aktive Spielerin im Verein aufgelaufen – von den Frauen-Teams in der Verbandsliga und Landesliga bis hin zur zweiten Mannschaft (aktiv von 2014 bis heute).
Trainer-Philosophie

„Ein Trainer ist jemand, der dir sagt, was du nicht hören willst, der dir zeigt, was du nicht sehen willst, damit du derjenige werden kannst, der du immer sein wolltest.“

Tom Landry
Spiegelt Petra Linders konsequente Arbeit als Trainerin widerspiegelt – die tägliche Gratwanderung zwischen Bremsen, Fordern und gezieltem psychologischem Aufbau.
Mentalität & Teamgeist

„Die größte Pracht im Leben liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen, wenn wir fallen.“

Nelson Mandela
Untermauert die enorme emotionale Stärke ihrer Spielerinnen beim TSV Frommern, sich nach Rückschlägen immer wieder zurückzuarbeiten.

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