Linder: „Eintrittspreise im Amateurfußball: Warum sollten Frauen nicht genauso bezahlen?“ (Fünferkette)

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Fussball Frauen Verbandsliga 2023/2024 14.04.2024 SV Eutingen - TSV Frommern Trainerin Petra Linder (Frommern) FOTO: ULMER Pressebildagentur / Tom Vetter xxNOxMODELxRELEASExx
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Die Frage nach den Eintrittspreisen für Frauen auf Amateur-Sportplätzen sorgt zu jedem Saisonstart aufs Neue für Diskussionen an den Kassenhäuschen. In ihrem Fünferkette-Beitrag widmet sich Petra Linder (TSV Frommern) der Frage, ob kostenlose oder vergünstigte Tickets für Frauen im Jahr 2026 noch zeitgemäß sind. Dabei wiegt sie das Argument der konsequenten Gleichbehandlung gegen die Sorge der Vereine ab, Zuschauerinnen und wertvolle Einnahmen bei Speisen und Getränken zu verlieren. Ein reflektierter Blick auf die fehlenden einheitlichen Verbandsvorgaben und die Suche nach praxistauglichen Lösungen für die Vereinsrealität.

Eintrittspreise im Amateurfußball: Warum sollten Frauen nicht genauso bezahlen?

Ein Reizthema auf vielen Sportplätzen: Sollten Frauen bei Spielen der Männer Eintritt bezahlen – und wenn ja, genauso viel wie Männer?

Die Saison läuft bereits, doch eine Frage begegnet mir eigentlich jedes Jahr aufs Neue so auch anfangs dieser Saison und immer wieder aktuell. Diskussionen also vorprogrammiert.

Warum gelten beim Eintritt auf Fußballplätzen eigentlich so unterschiedliche Regeln für Frauen?

Auf vielen Sportplätzen ist es noch immer gang und gäbe, dass Frauen bei Herrenspielen keinen Eintritt bezahlen müssen. Wenn doch, dann gibt es häufig einen ermäßigten Preis. Gleichzeitig zahlen Männer den regulären Eintritt.

Aber warum ist das im Jahr 2026 eigentlich noch so?

Gleichstellung – aber bitte nicht beim Eintritt?

Wir sprechen im Fußball und in der Gesellschaft viel über Gleichstellung. Frauen sollen die gleichen Chancen haben, die gleiche Anerkennung bekommen und selbstverständlich genauso zum Fußball gehören wie Männer.

Beim Eintritt auf vielen Amateur-Sportplätzen scheint diese Gleichstellung allerdings noch nicht überall angekommen zu sein.

In den Profiligen ist die Sache meist deutlich einfacher: Frauen und Männer zahlen den gleichen Preis für das gleiche Spiel. Warum sollte das in den Amateur- und unteren Ligen grundsätzlich anders sein?

Ich persönlich habe jedenfalls kein Problem damit, genauso viel Eintritt zu bezahlen wie ein Mann. Schließlich sehe ich auch das gleiche Spiel.

Und genau darin liegt für mich der entscheidende Punkt: Wenn ich mich entscheide, ein Fußballspiel anzuschauen, dann sollte grundsätzlich nicht mein Geschlecht darüber entscheiden, ob ich Eintritt bezahlen muss.

Jeder Verein macht es anders

Das eigentliche Problem sehe ich allerdings weniger darin, dass Frauen Eintritt bezahlen sollen. Das Problem ist vielmehr die Uneinheitlichkeit.

Auf dem einen Sportplatz bezahlt eine Frau den vollen Preis, beim nächsten gibt es einen ermäßigten Eintritt und beim übernächsten kommt sie kostenlos hinein.

Und genau daraus entstehen immer wieder Diskussionen:

Warum muss ich hier bezahlen und dort nicht? Warum kostet es hier mehr als dort? Warum zahlen Frauen überhaupt?

Der Württembergische Fußballverband legt zwar eine Preisspanne fest, an der sich die Vereine orientieren können. Die konkrete Entscheidung bleibt jedoch den Vereinen überlassen. So können sie selbst bestimmen, ob Frauen den regulären Eintritt, einen ermäßigten Preis oder gar keinen Eintritt bezahlen.

Das schafft zwar Flexibilität für die Vereine, sorgt aber gleichzeitig für genau die Diskussionen, die man eigentlich vermeiden könnte.

Auch an der Kasse sorgt das Thema für Unmut

Bei uns in der Verbandsliga Frauen gibt es ebenfalls keine einheitliche Vorgabe. Jeder Verein kann selbst entscheiden, welchen Eintritt er verlangt, für wen ob überhaupt oder auf freiwilliger Spendenbasis.

Gerade für diejenigen, die an der Kasse stehen, ist das nicht immer einfach.

Sie müssen teilweise Diskussionen mit Besuchern führen und sich Aussagen anhören, die alles andere als angenehm sind. Irgendwann stellt sich dann die Frage: Wer möchte diese Aufgabe eigentlich noch freiwillig übernehmen, wenn man sich dafür immer wieder rechtfertigen muss?

Bei unseren Spielen ist die Regel klar: Frauen und Männer bezahlen den gleichen Eintritt – und beide müssen bezahlen.

Warum sollte das bei Herrenspielen grundsätzlich anders sein?

Die Sache hat allerdings zwei Seiten

Ganz so einfach ist die Diskussion natürlich nicht.

Auch wir haben uns innerhalb unseres Vereins und mit der Vorstandschaft darüber unterhalten, wie wir bei Herrenspielen mit dem Thema Eintritt umgehen wollen. Schon dabei gingen die Meinungen auseinander.

Aussagen wie „Für ein Herrenspiel bezahle ich doch keinen Eintritt – dann komme ich eben nicht“ fallen durchaus.

Und genau hier beginnt das eigentliche Dilemma.

Als Fußballspielerin sieht man die Sache vielleicht noch einmal etwas anders als beispielsweise eine Freundin, Ehefrau oder Spielerfrau, die regelmäßig mit zum Spiel kommt.

Wir Fußballerinnen waren bei dieser Diskussion mehrheitlich dafür, ebenfalls Eintritt zu bezahlen. Trotzdem gibt es einen wichtigen Hintergedanken:

Was passiert, wenn dann tatsächlich weniger Frauen zu den Spielen kommen?

Weniger Zuschauer bedeuten möglicherweise auch weniger Einnahmen aus dem Verkauf von Essen und Getränken. Und vielleicht fehlen dem Verein irgendwann auch Helferinnen, die sich rund um das Spiel engagieren.

Denn eines darf man nicht vergessen: Ein Amateurverein lebt nicht nur von den elf Spielern auf dem Platz. Er lebt von den Menschen, die hinter den Kulissen mithelfen.

Eintritt oder Zuschauerzahlen was ist wichtiger?

Damit stehen sich zwei berechtigte Argumente gegenüber.

Auf der einen Seite steht die Gleichbehandlung: Wer das Spiel sehen möchte, bezahlt Eintritt – unabhängig davon, ob Mann oder Frau.

Auf der anderen Seite steht die Realität des Amateurfußballs: Wenn kostenloser oder vergünstigter Eintritt dazu führt, dass mehr Menschen zum Sportplatz kommen, konsumieren, helfen und den Verein unterstützen, kann das für einen Verein durchaus sinnvoll sein.

Und genau deshalb finde ich das Thema so schwierig.

Es gibt nicht die eine einfache Antwort.

Eine einheitliche Regel könnte helfen

Trotzdem bin ich der Meinung, dass eine einheitliche Regelung zumindest eine Menge Diskussionen verhindern könnte.

Wenn beispielsweise für jede Liga eine klare Eintrittsregelung gelten würde, wäre die Situation für Vereine, Zuschauer und vor allem auch die Kassiererinnen und Kassierer wesentlich einfacher.

Dann müsste niemand mehr erklären, warum Frauen auf dem einen Sportplatz kostenlos hineinkommen, auf dem nächsten vierEuro bezahlen und beim übernächsten den gleichen Eintritt wie Männer zahlen.

Eine einheitliche Regel hätte aber auch einen Nachteil: Sie nimmt den Vereinen ein Stück Entscheidungsfreiheit.

Und gerade im Amateurfußball sind die Voraussetzungen von Verein zu Verein völlig unterschiedlich. Ein kleiner Dorfverein kann nicht unbedingt mit den finanziellen Möglichkeiten eines größeren Vereins vergleichen werden.

Deshalb müsste man bei einer solchen Regelung sicherlich mit Augenmaß vorgehen.

Gleichheit ja – aber mit Fingerspitzengefühl

Ich glaube deshalb nicht, dass man einfach von heute auf morgen mit der „Brechstange“ kommen sollte.

Wenn Frauen bisher vielerorts kostenlos zu Herrenspielen gehen konnten und plötzlich überall der volle Eintritt verlangt wird, besteht durchaus die Gefahr, dass einige nicht mehr kommen.

Und damit könnte am Ende genau das Gegenteil erreicht werden: weniger Zuschauerinnen, weniger Einnahmen und vielleicht weniger Unterstützung rund um die Spiele.

Man muss sich also langsam herantasten.

Aber genauso sollte man sich die Frage stellen, ob eine Regelung, die historisch vielleicht einmal selbstverständlich war, heute überhaupt noch zeitgemäß ist.

Warum sollten Frauen nicht genauso bezahlen?

Für mich persönlich ist die Antwort relativ einfach:

Wenn ich das gleiche Spiel sehe, habe ich auch kein Problem damit, den gleichen Eintritt zu bezahlen.

Ich möchte nicht bevorzugt behandelt werden, nur weil ich eine Frau bin.

Und gleichzeitig möchte ich auch nicht, dass Frauen durch eine verpflichtende Eintrittsregelung vom Fußballplatz fernbleiben.

Genau deshalb ist es ein echtes Reizthema.

Vielleicht sollte die Diskussion auch gar nicht ausschließlich lauten: „Müssen Frauen Eintritt bezahlen?“

Vielleicht sollte die Frage vielmehr heißen: „Wie schaffen wir eine faire, verständliche und für die Amateurvereine praktikable Eintrittsregelung?“

Eine Diskussion, die uns wohl noch länger begleiten wird

Solange jeder Verein selbst entscheiden darf, ob Frauen kostenlos, ermäßigt oder zum gleichen Preis wie Männer ins Stadion beziehungsweise auf den Sportplatz kommen, wird diese Diskussion vermutlich weitergehen.

Und vielleicht ist das auch gar nicht grundsätzlich schlecht. Denn unterschiedliche Meinungen gehören zum Fußball genauso dazu wie unterschiedliche Vereine und unterschiedliche Zuschauer.

Trotzdem würde eine klare und einheitliche Regelung viele unnötige Diskussionen vermeiden.

Ob das am Ende tatsächlich umsetzbar ist, müssen andere entscheiden – Verbände, Vereine und Funktionäre.

Ich persönlich würde mir jedenfalls wünschen, dass wir irgendwann nicht mehr darüber diskutieren müssen, ob eine Frau bezahlen soll, weil sie eine Frau ist, sondern nur noch darüber, welcher Eintrittspreis für das jeweilige Spiel gilt.

Denn am Ende geht es doch um das Entscheidende: Wir alle gehen zum Sportplatz, weil wir Fußball sehen wollen. Und den sehen wir gemeinsam.

TSV Frommern Logo

Petra Linder

TSV Frommern (Frauen-Verbandsliga)
Fünferkette Porträt
🎯 Aktuelle Station
TSV Frommern Frauen
Trainerin (Verbandsliga)
⭐ Auszeichnung
Amateurin des Jahres 2022
Offizielle Ehrung
🗺️ Werdegang & Stationen
Trainerin beim TSV Frommern
Bereits seit 2015 als Trainerin im Verein aktiv (zunächst im Jugendbereich bei den B-Juniorinnen, ab 2024 als verantwortliche Trainerin der Frauen-Verbandsliga).
Spielerin beim TSV Frommern
Lange Jahre als aktive Spielerin im Verein aufgelaufen – von den Frauen-Teams in der Verbandsliga und Landesliga bis hin zur zweiten Mannschaft (aktiv von 2014 bis heute).
Trainer-Philosophie

„Ein Trainer ist jemand, der dir sagt, was du nicht hören willst, der dir zeigt, was du nicht sehen willst, damit du derjenige werden kannst, der du immer sein wolltest.“

Tom Landry
Spiegelt Petra Linders konsequente Arbeit als Trainerin widerspiegelt – die tägliche Gratwanderung zwischen Bremsen, Fordern und gezieltem psychologischem Aufbau.
Mentalität & Teamgeist

„Die größte Pracht im Leben liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen, wenn wir fallen.“

Nelson Mandela
Untermauert die enorme emotionale Stärke ihrer Spielerinnen beim TSV Frommern, sich nach Rückschlägen immer wieder zurückzuarbeiten.

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