Innerhalb von zwei Jahren ist die SG Sonnenhof Großaspach von der Oberliga direkt bis in die 3. Liga durchmarschiert. Im Interview zieht Cheftrainer Pascal Reinhardt Bilanz über den mutigen Auftritt seines Teams, das laut Expected Points sogar noch höher stehen könnte. Er erklärt, wie der Spagat zwischen gewohnter Dorfklub-DNA und Spielen vor mehr als 12.000 Zuschauern gelingt und was die Truppe aus dem DFB-Pokal-Coup gegen Bielefeld mitnimmt, ehe das nächste Pokal-Highlight gegen den FC Augsburg ansteht.
Hi Pascal! Wie zufrieden bist du mit dem Saisonstart? Wie fällt dein Fazit nach sieben Spieltagen aus?
Grundsätzlich bin ich nie zufrieden, weil ich immer sehe, wo wir uns noch verbessern können. Die Punktausbeute nach sieben Spieltagen ist in Ordnung. Die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, war für mich überragend: mutig, aktiv und mit großer Überzeugung in unsere Spielweise. Dass wir nach Expected Points auf Rang zwei stehen, bestätigt diesen Eindruck. Wir investieren viel, haben dafür bislang aber noch nicht den entsprechenden Ertrag erhalten. Deshalb wollen wir uns für unseren Aufwand und unsere Leistungen noch häufiger belohnen.
Wir bleiben demütig und wissen genau, wo wir herkommen. Viele Spieler sind den Weg aus der Oberliga mit uns gegangen. Das macht unsere bisherigen Leistungen besonders, ist für uns aber vor allem ein Ansporn, weiter konsequent an unserer Entwicklung zu arbeiten.
Sportlich und organisatorisch: Was sind die größten Unterschiede zur Regionalliga und was waren die größten Herausforderungen? Wie erlebst du deine Jungs mit der Umstellung?
Sportlich sind vor allem das Spieltempo und die Qualität höher. Die Belastung ist größer, und die Spieler benötigen nach den Spielen mehr Zeit zur Regeneration. Wir haben weniger Zeit für Entscheidungen, und Ungenauigkeiten werden schneller bestraft. Dazu kommt eine andere Kulisse: Auf einmal spielen die Jungs vor 12.000 Zuschauern, künftig werden es teilweise noch mehr sein. Bei allem Respekt vor Oberachern oder dem VfR Mannheim – vor zwei Jahren war das für viele unserer Spieler noch ein ganz anderer Rahmen.
Ein großes Kompliment deshalb an die Mannschaft, wie schnell sie sich an die 3. Liga angepasst hat. Die Jungs nehmen die Herausforderungen an und treten auch unter diesen Bedingungen mutig und mit Überzeugung auf. Viele sind den Weg aus der Oberliga mit uns gegangen. Dass sie unsere Spielweise jetzt auch auf diesem Niveau auf den Platz bringen, spricht für ihre Lernfähigkeit und ihren Charakter. Wir haben eine große Widerstandsfähigkeit entwickelt und gelernt, mit Rückschlägen umzugehen.
Organisatorisch haben wir unseren Staff vergrößert und uns fachlich breiter aufgestellt, ohne die Strukturen unnötig aufzublähen. Dadurch können wir Aufgaben im Training und in der Spielvorbereitung gezielter verteilen und die Spieler individueller begleiten.
Die tägliche Arbeit ist im Kern gleichgeblieben. Wir setzen auf Kontinuität und haben gezielt Spieler dazugeholt, die zu unserer Philosophie und zur Identität des Vereins passen. Wir wollen uns weiterentwickeln und dabei unsere Dorfklub-DNA bewahren. Die Aufmerksamkeit von außen ist größer geworden. Umso wichtiger ist es, intern klar und verlässlich zu arbeiten und die Nähe zueinander beizubehalten.
Rückblick DFB-Pokal: Ihr habt Bielefeld rausgehauen. Was waren die Schlüssel zum Erfolg und was macht dich gegen den FC Augsburg zuversichtlich, dass ihr den nächsten Favoriten ärgern könnt?
Gegen Bielefeld war es eine tolle Mannschaftsleistung. Die Schlüssel waren unsere absolute Disziplin, die Bereitschaft, füreinander zu arbeiten, und der feste Glaube daran, gemeinsam etwas Großes schaffen zu können. Wir haben uns vor dem Spiel gesagt, dass wir nicht nur träumen, sondern Erinnerungen schaffen wollen. Mit dieser Überzeugung ist die Mannschaft aufgetreten.
Mit Augsburg erwartet uns ein Bundesligist, der in guter Verfassung ist und uns alles abverlangen wird. Wir brauchen einen richtig guten Tag, um diesen Baum zu fällen – das ist mit Blick auf Manuel Baum natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint. Wir haben eine Gewinnermentalität entwickelt und wollen jeden Gegner schlagen, egal wie er heißt oder in welcher Liga er spielt.
Der Verein, das gesamte Umfeld und unsere Zuschauer haben sich dieses Spiel verdient. Wir wollen ihnen etwas zurückgeben und diese besonderen Momente gemeinsam genießen. Unser Ziel ist es, das Spiel so lange wie möglich offen zu gestalten und den Bundesligisten zu ärgern.
Pascal Reinhardt
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SG Sonnenhof Großaspach Cheftrainer (Vertrag bis 2028)seit 2023
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FC Holzhausen Cheftrainer & Sportlicher Leiter2021 – 2023
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VfL Nagold Co-Trainer2020 – 2021
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VfL Nagold Landesliga (33 Spiele / 32 Tore)2017 – 2020
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Waitakere United (Neuseeland) 1. Liga / Premiership2017
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SSV Ulm 1846 / FSV Mainz 05 II / FC 08 Homburg Regionalliga / 3. Liga2013 – 2017
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FC Bayern München II Regionalliga Süd2011 – 2012
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SSV Reutlingen / Stuttgarter Kickers Jugendbis 2011
